Themenworkshop: „Was passiert eigentlich an der Oberfläche“

Moderation:

  • Michael Bongartz, Regionalverband Ruhr
  • Rainer Lüdtke, Mitglied Kuratorium Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“, Stifterverband
  • Prof. Dr. Christian Melchers, Mitglied Kuratorium Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“, Technische Hochschule Georg Agricola, Bochum

Kurze Zusammenfassung:

Schwerpunkt der Diskussionen im ersten Workshop waren Erschütterungen und mögliche Hebungen in den Flutungsgebieten. Hier bestehen insbesondere im Saarland erhebliche Ängste und Befürchtungen, nachdem es dort zu bergbaubedingten Erschütterungen gekommen ist.

Prof. Melchers erläuterte, dass nach dem derzeitigen Stand des Wissens, nur relativ geringe Hebungen zu erwarten sind, die in jedem Fall deutlich geringer ausfielen als die Senkungen in Folge des Kohleabbaus. Dieses könne man nach der systematischen Auswertung aller Regionen sagen, in denen es nach bergbaulichen Aktivitäten schon zu Flutungen gekommen sei. Gravierende Gebäudeschäden infolge von Flutungsmaßnahmen seien nur in einem Revier (Erkelenz Revier) bekannt. Zudem könne man davon ausgehen, dass die Hebungen deutlich langsamer verliefen als die Senkungen, so dass z.B. auch keine Schäden an Gasleitungen o.ä. zu erwarten sind. Im Saarland kann man zudem darauf verweisen, dass es in der Nachbarregion Lothringen trotz bereits erfolgter Flutung nicht zu Erschütterungen gekommen ist, wie man sie im Saarland während des Abbaus erlebt habe. Womit auch die Frage gestellt werden muss, ob man die geologischen Verhältnisse in Lothringen auf das Saarland übertragen kann.

Für das Ruhrgebiet wurde insbesondere die Frage gestellt, ob man nicht mehr Nullmessungen, insbesondere an Bruchkanten, vornehmen müsse, um mögliche Hebungen frühzeitig zu erkennen. In diesem Zusammenhang bemängelten insbesondere die politischen Vertreter aus dem Ruhrgebiet, nicht ausreichend über die Details der bestehenden und geplanten Monitoringmaßnahmen informiert zu sein.

Im Vergleich zum Saarland betonten die Vertreter des Ruhrgebiets, dass man hier weniger Angst vor Hebungen als vor Vernässungen habe. Diese Diskussion wurde auch im zweiten Workshop aufgegriffen, in der neben einer möglichen Versumpfung auch das Problem angesprochen wurde, dass durch den Grubenwasseranstieg nicht nur die Wohnbebauung, sondern auch die gewerbliche Nutzung der Flächen, zum Beispiel für Kiesgewinnung, beeinträchtigt werden könne.

Die Diskussionen im zweiten Workshop nahm dann eine völlig neue Richtung. Hier standen die Wasserhaltung und deren ökologische Auswirkungen im Vordergrund der Debatten. So wiesen Teilnehmer(innen) auf die Gefahr hin, dass durch Fahnenbildung bei der geplanten Einleitung in den Rhein erhebliche Belastungen auf die Fauna zukommen könnten. Prof. Melchers wies darauf hin, dass nicht zu erwarten ist, dass Altlasten aus den Bergbauaktivitäten den Rhein belasten könnten. Es sei zu erwarten, dass sich die Wässer in den Gruben schichteten, so dass mögliche Altlasten nicht nach oben gelangen können und von dort abgepumpt werden.

Andere Diskussionsteilnehmer(innen) wiesen darauf hin, dass auch die Belastungen durch Wärme kaum Auswirkungen auf die Fauna im Rhein haben dürften, hierzu sei die Menge des eingeleiteten Wassers im Vergleich zu der Menge, die der Fluss selbst bei Niedrigwasser mit sich führe, zu gering. Anders können die Verhältnisse bei anderen, kleineren Flüssen, wie etwa der Ruhr, sein.

Nur kurz konnten mögliche Chancen eines Anstiegs des Grubenwassers angesprochen werden. Grundsätzlich kann man zum Beispiel an die Gewinnung von Lithium aus dem Grubenwasser und an die energetische Nutzung der Wärme denken. Hier gaben die meisten Diskussionsteilnehmer(innen) aber zu bedenken, dass der technische Aufwand in der Regel höher sei als der zu erwartende Nutzen.

Stichpunktartige Mitschrift Runde 1 & 2 Themenworkshop:  „Was passiert eigentlich an der Oberfläche?“

Mitglieder

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Dir. u. Prof. a.D. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Wilhelm Struckmeier, Vorsitzender des Kuratoriums

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Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist

Louis Pasteur
Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

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Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist.

Christian Morgenstern
Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke, Teamleiter Stiftungsmanagement – Schwerpunkt Wissenschaft und Umwelt Deutsches Stiftungszentrum

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Es ist die Neugier, die mich antreibt, nichts als die schiere Neugier.

Thomas Reiter
Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

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Den Fortschritt verdanken wir Menschen, die entweder gefragt haben: ‚Warum?‘ oder ‚Warum nicht?‘

Robert Lembke
Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Maria-Theresia Schafmeister

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Was das Blut für den Menschen, ist das Wasser für die Erde.

Hermann Lahm
Prof. Dr. rer. nat. habil. Georg H.E. Wieber

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Ich betrachte Grubenwasser als künftige Energie- und Rohstoffquelle und nicht als Abfallstrom.

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Christian Wolkersdorfer

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