Themenworkshop: „Ewigkeitslasten und Wissenstransfer“

Moderatoren:

  • Dipl.-Geol. Henning Jasnowski-Peters, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Prof. Melchers (Protokoll, Ergebnissicherung)
  • Dr. Ulrich Pahlke, Direktor Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen
  • Prof. Dr. Georg H.E. Wieber, Mitglied Kuratorium Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“, Universität Mainz

Kurze Zusammenfassung:

Bei dem komplexen Thema „Grubenwasseranstieg“ sowie den damit einhergehenden Ewigkeitsaufgaben, beispielsweise der Grubenwasserhaltung im Ruhrgebiet, ist auch über den operativen Bereich der RAG hinaus ein Wissenstransfer zwingend erforderlich. Dieser ist durch die geologischen Institute der Universitäten (z.B. RUB, Uni Münster, KIT Karlsruhe; RWTH Aachen) und Hochschulen (z.B. Georg Agricola Bochum) sowie durch die Bergverwaltung und den Geologischen Dienst NRW sichergestellt. Darüber hinaus wird das Thema Grubenwasser regelmäßig auf den Tagungen der Fachsektion Hydrogeologie der Deutschen Geologischen Gesellschaft sowie der International Mine Water Association behandelt und neue Forschungsergebnisse werden vorgestellt.

Im Saarland findet regelmäßig ein fachlicher Austausch mit Fachleuten aus Frankreich statt, wo die Steinkohlebergwerke bereits geflutet sind.

Auch die RAG sorgt im Rahmen ihrer Personalentwicklung für eine Kontinuität der fachlichen Expertise in Sachen Grubenwasserhaltung und Grubenwassermanagement.

Information:

Die Teilnehmer des Workshops fühlen sich gut informiert. Allerdings handelt es sich bei den Teilnehmern überwiegend um Fachleute, die sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Daneben finden aber auch Informationen über die lokale Presse sowie über das Internet statt. Ein Integrales Monitoring mit den Kompetenzfeldern Grubenwasser, Bodenbewegungen und Ausgasungen ist im Aufbau. Nicht zuletzt sind Workshops der Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“ zur neutralen fachlichen Information hilfreich.

Wasserhaltung:

Die Wasserhaltung im tiefen Grundwasserraum wird vom untertägigen Pumpbetrieb auf eine übertägige Brunnenwasserhaltung umgestellt, womit ökologische und wirtschaftliche Aspekte stärker berücksichtigt werden können. Vorgesehen sind sieben dauerhafte Standorte zum Brunnenbetrieb, die durch weitere Sicherungsstandorte ergänzt werden. Der Anstieg soll schrittweise unter wissenschaftlicher Begleitung auf ein unproblematisches Niveau erfolgen, bei dem keine Gefährdungen von nutzbaren Grundwasservorkommen und Wasserschutzgebieten zu besorgen sind. Der umfänglich renaturierte Verlauf der Emscher wird zukünftig frei von Grubenwassereinleitungen sein.

Bodenbewegungen:

Seitens eines Teilnehmers wurden Bodenbewegungen (Hebungen) im Stadtgebiet von Essen durch Grubenwasseranstieg problematisiert. Durch den Grundwasseranstieg von mehreren hundert Metern kann es tatsächlich zu Hebungen kommen. Diese erreichen jedoch nicht annähernd die Größenordnung der Senkungen infolge des ehemaligen Kohleabbaus. Aus Erfahrungen in vergleichbaren anderen Bergbaugebieten sowie gutachterlichen Berechnungen ist mit Hebungen in der Größenordnung von wenigen Dezimetern zu rechnen. Zur Überwachung von Bodenbewegungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Satellitengestützte Überwachung
  • Vermessung über LIDAR
  • Klassische Vermessung

Mit dem Thema Bodenbewegungen beschäftigen sich neben der RAG auch mehrere unabhängige Einrichtungen wie beispielsweise die BGR mit ihrem Bodenbewegungsdienst, die Emschergenossenschaft und das KIT Karlsruhe mit einem Forschungsvorhaben „Flood Risk“.

Schadstoffe:

Als weiteres Thema wurden Belastungen der Grubenwässer durch Kohlenwasserstoffe und PCB angesprochen. Problematisiert werden in diesem Zusammenhang insbesondere Kontaminationen durch PCB-haltige Hydrauliköle, die seit Ende der 1970er Jahre bis etwa 1995 in tieferen Grubenbauten zum Einsatz gekommen sind. Zum ehemaligen untertägigen Versatz mit Abfallstoffen und auch zu diesem Thema wurde seitens des Umweltministeriums NRW ein Sachverständigengutachten an die AHU Aachen beauftragt. Bei dem derzeit abgesenkten Grundwasserspiegel kommt es zu turbulentem Fließen in den kontaminierten Bereichen der ungesättigten Zone und zur Erosion feiner Kohlenstäube, an die PCB adsorbiert sind. Mit dem Grubenwasseranstieg werden die Bereiche geflutet und befinden sich unterhalb des zukünftigen Grubenwasserspiegels. Hier herrschen laminare Fließverhältnisse vor, bei denen Erosionsvorgänge stark zurücktreten. PCB können in diesem Milieu fast ausschließlich durch Lösung mobilisiert werden, wobei die Löslichkeit von PCB sehr gering ist.

Darüber hinaus sind für die Einleitung von (Gruben-) Wässern in Vorfluter wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich. Diese sind im Einvernehmen mit den zuständigen Wasserbehörden zu erteilen. Eine Genehmigung ist nur möglich, wenn keine maßgeblichen Verunreinigungen der Gewässer zu besorgen sind.

Zudem werden von der RAG Pilotanlagen zur Reinigung PCB-haltiger Grubenwässer vorgehalten.

Stichpunktartige Mitschrift Runde 1 & 2 Themenworkshop: „Ewigkeitslasten und Wissenstransfer“

Mitglieder

Felix, qui potuit rerum cognoscere causas. (Auf Deutsch: Glücklich ist, wer die Ursachen der Dinge erkennen konnte.)

Virgil
Dir. u. Prof. a.D. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Wilhelm Struckmeier, Vorsitzender des Kuratoriums

Dir. u. Prof. a.D. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Wilhelm Struckmeier, Vorsitzender des Kuratoriums

Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist

Louis Pasteur
Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

Prof. PD Mag. Dr. nat. techn. Sylke Hilberg

Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist.

Christian Morgenstern
Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke, Teamleiter Stiftungsmanagement – Schwerpunkt Wissenschaft und Umwelt Deutsches Stiftungszentrum

Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke, Teamleiter Stiftungsmanagement – Schwerpunkt Wissenschaft und Umwelt Deutsches Stiftungszentrum

Es ist die Neugier, die mich antreibt, nichts als die schiere Neugier.

Thomas Reiter
Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums

Den Fortschritt verdanken wir Menschen, die entweder gefragt haben: ‚Warum?‘ oder ‚Warum nicht?‘

Robert Lembke
Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Maria-Theresia Schafmeister

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Maria-Theresia Schafmeister

Was das Blut für den Menschen, ist das Wasser für die Erde.

Hermann Lahm
Prof. Dr. rer. nat. habil. Georg H.E. Wieber

Prof. Dr. rer. nat. habil. Georg H.E. Wieber

Ich betrachte Grubenwasser als künftige Energie- und Rohstoffquelle und nicht als Abfallstrom.

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Christian Wolkersdorfer

Prof. Dr. rer. nat. habil. Dipl.-Geol. Christian Wolkersdorfer

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